Aufstiegsheld im Interview – Deniz Kadah über den Kopfball in Aalen, seine Zeit in Düsseldorf und Ziele in Hannover

Deniz Kadah, dieser Name zaubert vielen Fans von Fortuna Düsseldorf immer noch ein breites Grinsen ins Gesicht und eine Gänsehaut auf den Rücken. Am 16. Mai 2009 köpfte Kadah die Fortuna in Aalen zum erlösenden 2:1-Sieg und legte den Grundstein für den Aufstieg eine Woche später gegen Bremen II. Mit einem Tor unsterblich werden, für immer einen Platz in der Vereinschronik haben – Deniz Kadah ist das an diesem Drittligasamstag gegen 15 Uhr gelungen. Was macht der Aufstiegsheld heute? Was verbindet ihn noch mit Fortuna? Und welche Erinnerungen hat er an jenen 37. Spieltag, dem legendären Auswärtssieg auf der Ostalb? Im Gespräch mit Jens und Niko beantwortet der Aufstiegsheld alle wichtigen Fragen.
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Direkt-verwandelt.de: Deniz, du bist mit deinem Kopfball in Aalen zur Legende geworden. Wenn die Leute in Düsseldorf über die vergangenen Jahre reden, dann fällt immer wieder dein Name – verbunden mit großen Emotionen. Wie ist das bei dir? War das 2:1 in Aalen das Tor deines bisherigen Lebens?

Kadah: Ja, das kann man sagen. In Aalen damals, das war unbeschreiblich. Ich werde eingewechselt, mache das 2:1 und wir stehen plötzlich mit einem Bein in der Zweiten Liga. Das war für mich ein sehr großes Erfolgserlebnis.

Direkt-verwandelt.de: Wie hast du diesen Samstag in Aalen generell erlebt?

Kadah: Wie gesagt, es war unbeschreiblich. Wir hatten fünf- bis sechstausend Düsseldorfer auswärts dabei in der Dritten Liga. Das muss man erstmal verarbeiten, aber mit dem Aufstieg sind dann alle Dämme gebrochen. Da ist eine Riesenfreude, Emotion und Euphorie entfacht worden und das war das I-Tüpfelchen auf eine tolle Saison.

Direkt-verwandelt.de: Du kommst aus Verden an der Aller, kicktest vor dem Wechsel zur Fortuna in Lübeck. Wie kamst du damals als Niedersachse nach Düsseldorf?

Kadah: Nach dem Lizenzentzug mit Lübeck aus der Regionalliga rief mich mein Manager an und sagte, ich hätte Anfragen aus der neu gegründeten Dritten Liga. Ich habe dann mit verschiedenen Vereinen gesprochen und das Gespräch mit Wolf Werner und Norbert Meier hat mich am meisten überzeugt. Fortuna hatte die Zielsetzung, in die Zweite Liga hochzukommen und da wollte ich auch hin.

Direkt-verwandelt.de: Wer waren die anderen Interessenten?

Kadah: Paderborn, St Pauli, Braunschweig. Auch Alemannia Aachen hatte als Zweitligist Interesse. Bevor ich mich entschieden habe, habe ich auch mit dem Umfeld in Düsseldorf gesprochen: Hamza Cakir, Ahmed Cebe. Die Jungs haben mir Fortuna ans Herz gelegt. Die haben gesagt: “Super Verein, Rieseneuphorie, wir sind im Kommen. Hier können wir einiges erreichen.” Am Ende gaben aber die guten Gespräche mit den Verantwortlichen den Ausschlag.

Direkt-verwandelt.de: Du hast dann noch ein Jahr in der Zweiten Liga mit Fortuna gespielt, kamst aber nicht so richtig zum Zug und dein Abschied aus Düsseldorf war dann relativ geräuschlos. Warst du enttäuscht von Werner und Meier? Hatten die Verantwortlichen nicht genug Geduld mit dir?

Kadah: Ja, ich war schon sehr enttäuscht. Ich bin mit aufgestiegen und hatte eine sehr erfolgreiche und schöne Zeit. Aber ich war lange verletzt und mein Vertrag lief aus und die Verantwortlichen haben sich dann dazu entschlossen, nicht zu verlängern. Das war ein tiefer Schlag für mich, nicht mehr für einen so aufstrebenden Verein spielen zu dürfen. Das musste ich erstmal verdauen – auch weil ich wusste, dass ich mich weiterentwickelt hätte, wenn ich die Zeit bekommen hätte.kadah2 Aber die Zeit gab’s nicht, so ist das halt im Fußball. Ich hatte ein starkes Umfeld, das mich aufgefangen hat und jetzt bin ich zum Glück in Hannover gelandet.

Nachdem er wieder zum VfB Lübeck zurückgekehrt war und dort Tore am Fließband in der Regionalliga erzielte, bekam Kadah ein Angebot von Hannover 96. Seit Beginn der Saison kickt er vor allem für die Zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Nord um den Drittligaaufstieg kämpft. Seine hervorragende Trefferbilanz rückte ihn in den Fokus von Profitrainer Mirko Slomka, Kadah trainierte mit den Profis und kam inzwischen zu zwei Kurzeinsätzen in der Beletage. Doch seine Entwicklung endete vorerst abrupt. Schuld: erneut eine Verletzung.

Direkt-verwandelt.de: Du wurdest vor einigen Wochen am Syndesmoseband operiert. Wie hast du dir die Verletzung zugezogen und wie geht es dir jetzt?

Kadah: Als die erste Mannschaft zum Europapokalspiel in Moskau war, habe ich bei einem Testspiel der Zwoten ausgeholfen. Bei einem Pressschlag bin ich mit dem linken Fuß weggeknickt und das Syndesmoseband ist gerissen. In der aktuellen Situation war das natürlich sehr schade. Ich muss jetzt schauen, dass ich bis zur Saisonvorbereitung im Sommer wieder fit bin.

Direkt-verwandelt.de: Du rechnest nicht mehr mit dieser Saison?

Kadah: Nein. Am Anfang war das eine Überlegung, ob wir es vor dem Saisonende noch schaffen. Aber das Risiko ist einfach zu groß. Ich gucke von Woche zu Woche und mache mir keinen Stress. Wichtig ist, zur nächsten Vorbereitung wieder fit zu sein.

Direkt-verwandelt.de: Hannover 96 II spielt um den Aufstieg mit und du hast mit 18 Treffern einen großen Anteil daran, dass ihr so weit oben steht. Wie gehst du jetzt damit um, dass du der Mannschaft im Aufstiegskampf nicht helfen kannst?

Kadah: Das war natürlich für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich trainiere zwar inzwischen voll mit der Ersten Mannschaft und habe da auch Ambitionen, aber ich wollte die U23 natürlich bestmöglich im Aufstiegskampf unterstützen. Das ist für alle Beteiligten sehr ärgerlich, aber wie gesagt: so ist es eben im Fußball. Wenn ich wieder gesund bin, greife ich voll an.

Direkt-verwandelt.de: Du hattest in der Bundesliga deine ersten Kurzeinsätze. Was musst du noch verbessern, um dich auf höherem Niveau durchzusetzen und dauerhaft in der Bundesliga spielen zu können?

Kadah: Ganz klar, die Erfahrung. Das ist das größte Manko. Ich bin jetzt langsam an die Bundesliga herangeführt worden und habe in den Trainingslagern auf höchstem Niveau trainiert, mir von meinen Sturmpartnern auch einiges abgeguckt. Wichtig ist, dass ich gesund werde und bleibe, im Training meine Chance suche und mit den Spielen kommt dann auch die Erfahrung und die Sicherheit. Ein Stürmer wird an Toren gemessen und wenn ich dann in der Bundesliga auch mal Erfolgserlebnisse habe, dann kommt der Rest vielleicht von alleine. Es gibt viele Positivbeispiele wie Martin Harnik, die ein gewisses Talent haben und dann im Profigeschäft plötzlich Erfolgserlebnisse haben und dann zu einer festen Größe in der Bundesliga werden.

Direkt-verwandelt.de: Beschäftigst du dich mit dem Gedanken, dass du es auf diesem Niveau nicht schaffen könntest und ein ewiger Viertligatorjäger bleibst?

Kadah: Nein, im Gegenteil, ich freue mich, dass ich in der Regionalliga jetzt zwei Jahre lang sehr erfolgreich gewesen bin. Ich habe da auch sehr viel Selbstvertrauen getankt. Ich bin sehr robust geworden, habe mich im athletischen Bereich deutlich verbessert. Ich werde hier viel gefördert. Es wird mir viel abverlangt, aber ich versuche immer meine Leistung zu bringen. Ich habe keine Angst vor der Bundesliga. Man muss da einfach alles abrufen, was man kann.

Direkt-verwandelt.de: Das klingt sehr selbstbewusst. Welche Perspektive hat Mirko Slomka dir denn in Aussicht gestellt? Du hast vor dir im Sturm mit Diouf, Ya Konan, Abdellaoue und Sobiech ja vier starke Stürmer.

Kadah: Natürlich herrscht bei uns im Sturm große Konkurrenz. Aber der Trainer hat mir die Chance gegeben. Und in Gesprächen sagt er mir, dass er viel von mir hält und mich unterstützt. Ich muss meine Leistung bringen, und wenn ich die bringe, dann werde ich auch meine Chancen kriegen. Wenn man viel will, muss man viel leisten – das ist die Regel der Bundesliga. Große Konkurrenz ist für mich Antrieb, mich mit den Großen zu messen.

Direkt-verwandelt.de: Hannover hat sich über lange Zeit in der Bundesliga etabliert und gehört inzwischen zu den Europapokalkandidaten. Siehst du 96 so ein bisschen als Vorbild für Fortuna?

Kadah: Fortuna ist ein Riesenverein mit der Unterstützung von Fans und Stadt. Wenn Fortuna den Weg weiter geht, wird es langfristig das Ziel sein, um die europäischen Plätze mitzuspielen. kadahDoch sie machen das richtig: Schritt für Schritt stabilisieren und dabei langfristige Ziele setzen.

Direkt-verwandelt.de: Dafür müsste man diese Saison erstmal die Klasse halten.

Kadah: Es wird bis zum 34. Spieltag spannend – für Hannover im Kampf um die internationalen Plätze, und auch für Düsseldorf im Abstiegskampf. Augsburg ist gut drauf, aber wenn Fortuna weiter spielt wie bisher, dann packen die das. Sie müssen zuhause die Punkte holen.

Direkt-verwandelt.de: Wenn es klappt, könntest du auch bald wieder auf die Fortuna treffen. Würdest du dich freuen, alte Freunde wiederzusehen oder herrscht vor allem das Gefühl: “Denen will ich zeigen, was ich kann”?

Kadah: Natürlich will ich zeigen, was ich kann. Aber in erster Linie würde ich mich über eine Rückkehr nach Düsseldorf freuen. Es ist schön, dass die Leute in Düsseldorf meine Entwicklung immer noch verfolgen. Ich wurde vom Umfeld immer respektiert. Ich habe in den zwei Jahren viel gelernt, viele tolle Menschen kennengelernt. So ein Abgang gehört zum Profigeschäft auf allerhöchstem Niveau einfach dazu. Ich bin ein Kämpfer und freue mich, dass aus Düsseldorf weiter so positive Rückmeldung kommt. Und so ein Aufstieg verbindet natürlich.
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Wir wünschen Deniz viel Erfolg in Hannover und der Bundesliga. Hoffentlich sieht man ihn eines Tages mal auf einer großen europäischen Bühne wieder. Anbei eine Infografik mit europäischen Clubs die von Pokerräumen gesponsert werden. Obwohl Glücksspiel in manchen Ländern verboten ist, scheint ein Sponsoring kein Problem zu sein. Fortuna ist in der Bundesliga nur ein Beispiel dafür.