“Das sind die Wunschvorstellungen von Wolf Werner” – Mannschaftsarzt Alois Teuber im Interview

Sein erstes Fortunaspiel? „Neunzehnhundert…“, Alois Teuber überlegt und zieht das zweite U so lang, als krame er im Langzeitgedächtnis nach Anhaltspunkten – als wäre das schon mehrere Jahrhunderte her. „Vierundneunzig oder dreiundneunzig“, sagt er dann. Im Paul-Janes-Stadion damals, kurze Zeit später auch im Rheinstadion. Es folgte eine Periode als Mannschaftsarzt von Borussia Mönchengladbach – mit den Fohlen wurde er 1995 in Berlin Deutscher Pokalsieger und er erzählt das mit einem Leuchten in den Augen, als habe er damals im Finale gegen Wolfsburg selbst auf dem Platz gestanden.

Überhaupt ist Dr. Alois Teuber, einer der Mannschaftsärzte bei Fortuna Düsseldorf, zwar durchaus ein „Ich“-Typ, aber auch ein ziemlicher „Wir“-Mensch. „Wir haben uns alle zum Ziel gesetzt, in der ersten Liga zu bleiben und jetzt tun wir auch alles dafür“, sagt er und meint sich und die ganze Fortuna-Familie. Seit fünf Jahren ist Teuber fest im medizinischen Stab der Fortuna. „Schuld“ daran hat Ex-Oberbürgermeister Joachim Erwin.

Direkt-verwandelt.de: Wie kam es denn zu ihrem Engagement bei Fortuna?

Teuber: Zu Oberligazeiten kam OB Erwin mal hier in meiner Praxis vorbei und sagte zu mir: „Teuber, Sie müssen der Fortuna helfen!“ Ich habe sofort geantwortet: „Gerne, aber eigentlich kann ich nur Bundesliga.“ Und da sagte Erwin: „Jaaa, da sind gute Bedingungen und Hoffnungen, dass die Fortuna eines Tages wieder in der Bundesliga spielen wird.“ So bin ich dann langsam wieder zurück zur Fortuna gekommen.

Direkt-verwandelt.de: Und, haben Sie wirklich an die Bundesliga geglaubt?

JensIstDankbarTeuber: Ehrlich gestanden: Das schien mir sehr tollkühn. Wir wissen doch alle, wovon wir reden. Oberliga, Paul-Janes-Stadion; das war schön, das war atmosphärisch, da waren viele nette Menschen. Aber man konnte doch nicht realistisch an eine Bundesliga-Rückkehr glauben. Umso schöner war es natürlich, dass es dann doch geklappt hat.

Genug geplaudert. Wir sind schließlich nicht in die Praxis von Dr. Teuber gefahren, um hier von den vergangenen Jahren mit Fortuna zu schwärmen. Wir sind hier, um herauszufinden, wie Fortunas Mediziner arbeiten, wie sie ticken. Wo steht Fortuna im Vergleich zu anderen Bundesligaklubs? Wieso kam es in letzter Zeit immer wieder zu argen Verzögerungen bei Verletzungen, bei Almer, Malezas oder Langeneke? Und wie steht Teuber zu der öffentlichen Kritik von Wolf Werner am medizinischen Stab?

Als wir die Sprache auf diese Fragen lenken, strahlt Teuber richtig, darüber müsse jetzt endlich mal geredet werden, sagt er. Natürlich lese er auch in den Foren und den Online-Artikeln und sehe, was da alles geschrieben wird – auch über seine Arbeit, über die medizinische Abteilung. Er weiß genau, dass die Fans aktuell verwundert sind – darüber, dass ein Jens Langeneke zunächst nach zwei Wochen wieder fit sein sollte und jetzt schon über zwei Monate ausfällt. Aber gut. Beginnen wir von vorne:

Direkt-verwandelt.de: Könnten Sie zunächst einmal erläutern, wie die medizinische Abteilung der Fortuna aufgebaut ist? Wer ist für was zuständig?

Teuber: Also ich bin der verantwortliche Mannschaftsarzt. Ich werde unterstützt vom Kollegen Ulf Blecker, wobei ich neben dem Ärztlichen auch für die gesamte juristische Seite zuständig bin. Dazu kommt ein Internist, Ulrich Keil. Dann haben wir die Reha-Abteilung von Bernd Restle und den Fitnessstab um Dirk Schauenberg. Der wird unterstützt von Physiotherapeuten, Osteopathen und einigen mehr, die sich um die Fitness der Spieler kümmern.

Direkt-verwandelt.de: Wie arbeitet dieser große Stab zusammen?

Teuber: Ich habe dafür im November 2012 ein Konzept geschrieben, das allen Beteiligten im Verein vorliegt. Es sieht vor, dass sich alle Ärzte und Betreuer regelmäßig in verschiedenen Gremien zusammenfinden, um über die Verletzungsmuster der Spieler zu reden und Behandlungspläne festzulegen. Und in letzter Instanz muss ich diese Pläne dann abzeichnen.

Direkt-verwandelt.de: Neben der Struktur ist ja auch die Ausstattung wichtig: Wie ist Fortuna denn hier im Bundesligavergleich aufgestellt?

Teuber: Das ist eine gute Frage. Wo stehen wir? Ich war ja schon mal Mannschaftsarzt bei Borussia Mönchengladbach und auch kurzzeitig mal in Dortmund tätig und kann nur sagen: Nachdem wir das ganze strukturell professionalisiert haben, stehen wir im Vergleich zu den anderen Bundesligisten hervorragend da. Ich will nicht sagen, wir sind die Besten, andere arbeiten auch gut, aber wir können uns da durchaus sehen und messen lassen.

state-of-the-art

Direkt-verwandelt.de: Wie kommen Sie zu dieser Erkenntnis?

Teuber: Natürlich tauscht man sich mit den Kollegen aus anderen Vereinen bei Fortbildungen oder Kongressen aus. Wir haben ja alle ein gutes Verhältnis miteinander. Ich pflege zum Beispiel gute Kontakte zum Kollegen Henke nach Leverkusen oder telefoniere auch gelegentlich mit Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München. Oder ich war kürzlich auf dem Sportärztekongress des DFB in Frankfurt. Da tauscht man sich dann eben aus – über strukturelle Dinge oder auch neue Behandlungsmethoden. Und daher kommt meine Erkenntnis, dass wir in Düsseldorf sehr gut aufgestellt und unsere Therapiemethoden immer state of the art sind – also das Neueste und Beste.

Direkt-verwandelt.de: Bei großen Klubs wie dem AC Mailand gibt es ganze Gesundheitszentren, wo die Spieler ständig durchgecheckt werden, auf neudeutsch würde man sagen: gepimpt. Haben wir sowas auch?

Teuber: Nein, das geht auch zu weit, das wollen wir gar nicht. Wir behandeln ja nicht den gesunden Sportler. Wir wollen natürlich, dass er gesund bleibt, aber wir wollen keine Verletzungen rausfinden, die es womöglich gar nicht gibt. Aber die Spieler sind natürlich unter ständiger Beobachtung und die Wege sind bei uns kurz, wenn etwas passiert. Das Netzwerk funktioniert.

Es gibt keinen seriösen 11Freunde-Check der medizinischen Abteilungen in Deutschland, den wir jetzt neben die Aussagen von Alois Teuber legen können, um zu ergründen, ob Fortuna wirklich so gut dasteht, wie er es sagt. Er spricht mit Überzeugung, mit Esprit in der Stimme. Man ist zumindest geneigt, ihm das alles zu glauben und sich mitreißen zu lassen von dem Enthusiasmus, den er versprüht.

Schon während seines Medizinstudiums wusste er, dass er Profisportler betreuen will. Er ließ keine Gelegenheit aus, um Beziehungen aufzubauen. In seiner Praxis hängen unterschriebene Devotionalien seiner Patienten – Mannschaftsfotos von Rhein Fire, Trikots der Düsseldorfer EG oder auch ein Poster von Henry Maske. Den Box-Weltmeister hat Teuber lange begleitet – er war früher selbst mal Boxer, wäre beinahe mal zu Olympia gefahren, doch er verlor im letzten Qualifikationskampf – der letzte Kampf, den er je ausgefochten hat. Er erzählt diese Geschichten, als seien die Bilder frisch im Kopf, als käm er gerade vom Pokalfinale in Berlin oder von Olympia 2008, wo er Mannschaftsarzt der chinesischen Olympiamannschaft war. Doch zurück zu Fortuna:

Direkt-verwandelt.de: Und Sie sind dann auch bei den Spielen am Spielfeldrand und stellen erste Diagnosen und leisten erste Hilfe?

Teuber: Ja klar, wenn sie da zwischendurch mal einen aufs Feld rennen sehen, dann bin ich das. Oder einer meiner Kollegen. Zu Hause bin ich immer vor Ort und bei den Auswärtsspielen fahre ich mit, wenn es die Zeit zulässt.

Direkt-verwandelt.de: Wie muss man sich das als Laie vorstellen – Sie rennen auf den Platz und fühlen dann vielleicht direkt schon, was los ist?

Teuber: Ja, so kann man sich das laienhaft vorstellen. Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Geschäft; Eishockey, Fußball, Boxen, Tennis, Rugby, Hockey, alles. Und man lernt im Laufe der Jahre Mechanismen von Verletzungen kennen. Bei welcher Bewegung verletzt sich jemand und wie. So etwas steht in keinem Lehrbuch, das ist Erfahrung. Und wenn ein Spieler vom Platz humpelt, dann weiß ich oft schon, ob etwas kaputt ist, gerade wenn derjenige schon in einer Schonhaltung läuft, und dann untersuche ich ihn sofort. Danach geht es in die Kabine und ich versuche erst einmal, den Spieler zu beruhigen. Dann überlegt man, welche Art von Diagnosefindungen müssen jetzt stattfinden – braucht es ein Röntgenbild, reicht die simple körperliche Untersuchung oder muss es vielleicht sogar eine Kernspin sein?

Direkt-verwandelt.de: Mussten Sie schon mal einen Spieler gegen seinen Willen vom Platz holen?

BeiMalezasTeuber lacht über diese Frage. Eigentlich nicht, sagt er. Das reguliere dann meistens der Schmerz. Die Spieler könnten und wollten dann auch nicht mehr laufen und seien auch Profis genug, um zu wissen, dass es ihre Verletzung noch verschlimmern könnte, wenn sie jetzt nicht runter kommen.

Nun aber zu den wirklich harten Themen. Wir wollen wissen, warum es in der letzten Zeit mehrere Verletzungen gab, bei denen die ersten Diagnosen scheinbar falsch waren und die Ausfallzeit deutlich länger als erhofft und erwartet: Robert Almer, Stelios Malezas, Jens Langeneke – bei allen freute man sich, dass sie wohl nur kurze Zeit ausfallen würden. Und am Ende waren ihre Leidenszeiten deutlich länger. Noch während wir fragen, woran das liegt und an welcher Stelle im „Netzwerk“ es hakt, spritzt Teuber dazwischen:

Teuber: Es hakt überhaupt nicht. Wir sind nun mal noch neu in der Ersten Liga und bauen diese Netzwerke gerade weiter aus – und müssen sie natürlich auch nutzen im Fall der Fälle.

Direkt-verwandelt.de: Gehen wir die Fälle mal einzeln durch. Malezas.

Teuber: Bei Malezas ist Folgendes passiert: Er kam zurück vom Länderspiel in Griechenland und dann wurde uns von griechischer Seite gesagt, man habe dort eine Kernspin-Untersuchung gemacht, er hätte einen Muskelfaserriss. Jetzt will man den Kollegen ja auch nicht misstrauen und sagt, dann ist es halt ein Muskelfaserriss. Dann stellte sich heraus, dass Malezas immer weiter über Schmerzen klagte und so haben wir nach zwei Wochen eine weitere Kernspin durchführen lassen. Ergebnis: Es war kein Faserriss, sondern der Muskel war komplett eingerissen – also ein Muskelbündelriss. Dadurch hat sich die Genesung natürlich verzögert. Aber in der Presse war längst publik: Muskelfaserriss, zwei Wochen. Ja schade. Man hätte das diskreter behandeln sollen, haben wir leider nicht gemacht.

Direkt-verwandelt.de: Das ist ja ganz ähnlich dem Fall von Arjen Robben, der 2010 von der niederländischen Nationalelf wiederkam und obwohl man dort nur eine kleine Verletzung diagnostiziert hatte, im Anschluss fast ein Jahr ausfiel. Lernen Sie jetzt aus dem Fall Malezas? Vertrauen Sie nicht mehr allen Diagnosen von anderen Ärzteteams?

Teuber: Man überprüft das Verletzungsbild sicherlich jetzt kritischer. Und man ist erst einmal auch etwas zurückhaltender gegenüber der Öffentlichkeit.

Direkt-verwandelt.de: Ein ganz ähnlicher Fall ereignete sich ein paar Monate zuvor mit Robert Almer.

Teuber: Ja, genau die gleiche Geschichte. Länderspiel in Österreich. Auch da haben wir die Ergebnisse der österreichischen Ärzte übernommen. Das ist ja kein Entwicklungsland. Aber nochmals: Wir werden das in Zukunft kritischer hinterfragen und das Verletzungsbild selbst noch genauer analysieren.

Direkt-verwandelt.de: Dritter Fall: Jens Langeneke.

Teuber: Im Fall Jens Langeneke war nicht unsere Diagnose falsch, sondern da kamen einige Dinge zusammen. Da ist der Mensch Jens Langeneke und das Verletzungsbild und wie die unterschiedlichen Beteiligten damit umgehen. Also, Langeneke ist natürlich einer, den man dringend braucht bei Fortuna und weil er auch ein Haudegen ist, dachte auch er am Anfang optimistisch, das kriegt er in zwei bis vier Wochen hin. Dann stellt sich aber heraus: Das Verletzungsbild ist doch nicht so simpel und auch für Jens neu, der bis dato noch nie eine solch große Verletzung hatte. Und plötzlich hat er was und spürt das immer wieder. So war bald klar: Es geht doch nicht so schnell wie erhofft. Zu viele verschiedene Seiten, die so ein Krankheitsbild dann nicht hundertprozentig korrekt beurteilen, führen zu solchen Unterschieden zwischen optimistischer Prognose und Behandlungszeit.

Puh. Wie ist so eine Antwort zu deuten? Wo fragt man als nächstes nach? Mehrere Fragen tun sich auf, doch man muss die richtige auswählen. Es scheint bei all den Antworten Teubers immer wieder um Kommunikation zu gehen. Kommunikation mit der Presse, mit den Fans, aber auch intern. Gehen wir darauf ein oder doch lieber nochmal auf das Thema Fehldiagnose? Das Kommunikationsthema scheint stärker:

Direkt-verwandelt.de: Ist es denn auch Teil des neuen medizinischen Konzepts, allen Beteiligten klar zu machen, dass sie sich erstmal ruhig verhalten sollen, anstatt den Fans und auch den Kollegen im Verein Hoffnungen zu machen?

Teuber: Ja, ganz klar. Wobei es im Fall Langeneke eben auch die Medien waren, die das etwas zu optimistisch dargestellt haben.

Direkt-verwandelt.de: Ja gut, aber wenn Jens Langeneke selbst auf Facebook ein paar Tage nach seiner Verletzung postet, „Knie fühlt sich gut an, vielleicht nächste Woche wieder dabei“, dann ist das ja ein internes Problem und kein Problem der Medien.

Teuber: Da gebe ich Ihnen recht. Das ist natürlich auch ein Problem.

Rezepte-ausstellenDirekt-verwandelt.de: Und genau da muss man dann doch sagen: Wir brauchen ein Konzept, um sowas zu verhindern.

Teuber: Deshalb haben wir unser Konzept überarbeitet, damit so etwas nicht mehr so leicht passieren kann. Ich glaube, dass wir in Zukunft besser aufgestellt sein werden. Für mich ist das natürlich auch logistisch eine Riesenarbeit. Ich muss erst die Diagnose finden, zweitens das Reha-Institut und die Fitnessabteilung informieren, dann Norbert Meier und Wolf Werner. Das ist dann ein ziemlich großer Telefonaufwand, nur um ein Bild eines Spielers einer Verletzung darzustellen und wenn dann auch noch Störfälle passieren, dann habe ich immer wieder dieselbe Aufgabe. Den, den, den und den anrufen. Das ist sehr zeitaufwendig und es gehen auch viele Infos auf dem Weg verloren, muss man ganz fair sagen. Der Eine transportiert das an den Nächsten so und der Übernächste sieht das anders. Aber, wie gesagt, wir sind da auf einem sehr guten Weg und arbeiten gut miteinander.

Direkt-verwandelt.de: Und was sagen sie zu den Äußerungen von Wolf Werner in der Presse – über solche Verzögerungen und Fehler müsste man dann “auch mal reden”?

Teuber: Man kann ganz offen darüber reden. Nur es ist so: Das sind die Wunschvorstellungen von Wolf Werner oder auch vom Trainerstab. Die sagen dann: „Wir brauchen den Spieler dringend, wo bleibt der?“ Das sind Wunschvorstellungen. Und wenn dann vorab über die Öffentlichkeit transportiert wird, wie schnell so etwas ausheilen könnte, dann ist Wolf Werner natürlich etwas unruhig und sagt irgendwann: „Wieso ist der Spieler noch nicht zurück? Die haben doch gesagt…“. Wobei wir die Äußerungen von Wolf Werner keineswegs als kritische Hinterfragung der medizinischen Abteilung missverstanden haben, sondern als Aufforderung, den Dialog zu suchen. Das ist gut und wichtig.

Direkt-verwandelt.de: Und wie ist das dann, wenn Jens Langeneke nochmal herkommt und eingestehen muss, dass er doch schwerer verletzt ist. Ist der ihnen dann noch dankbar, wenn es am Ende wieder funktioniert oder ist der sauer, weil es nicht schneller ging?

Teuber: Ich glaube sogar, dass Jens uns besonders dankbar ist, weil wir bei ihm wirklich jeden Aufwand betrieben haben, um ihn schnell wieder herzurichten. Man darf ja auch eins nicht vergessen: Spieler wie Jens sind das Kapital von Fortuna Düsseldorf. Und wenn dieses Kapital Brach liegt, dann kostet das richtig. Man muss dies auch einmal aus dieser Perspektive sehen. Wir versuchen also alles, die Spieler schnellstmöglich wieder fit zu bekommen, aber immer unter der Prämisse eines guten Miteinanders und auch eines guten Endergebnisses. Und jetzt haben wir ein Resultat bei Jens Langeneke und ich glaube, da ist er sehr zufrieden mit.

All die Devotionalien, die Teuber in seiner Praxis um sich gescharrt hat, sprechen durchaus die Sprache der Dankbarkeit. Er sitzt zwischen Trikots von Daniel Kreutzer und Maxi Beister, von Sami Allagui oder Fabian Giefer. Sie tragen persönliche Widmungen und es ist Teuber anzusehen, dass er stolz ist auf sein gutes Verhältnis zu den Sportlern – auch wenn er sich nie auf eine engere Freundschaft mit seinen Patienten einlassen würde. Dann könne er nicht mehr neutral dem Sportler gegenüber sein und das wäre nicht gut für seine Patienten, meint er.

Beister

Die Praxis betreibt er in Meerbusch-Büderich, gemeinsam mit seinem Kollegen Philipp Ehrenstein, der bei der Fortuna für die Versorgung der Jugendmannschaften zuständig und auch offizieller Mannschaftsarzt der Zweiten Mannschaft ist. Unters Messer bekommen die Partner die Fortuna-Kicker beide: Ehrenstein kümmert sich vor allem um Schulter und Knie, Teuber operiert besonders bei Rückenproblemen. Aktuell in Behandlung: Neuzugang Mathis Bolly, der zwar nicht operiert werden muss, doch um den es in den letzten Tagen sehr leise geworden ist.

Direkt-verwandelt.de: Mathis Bolly pausiert seit zwei bis drei Wochen wegen muskulärer Probleme. Man erfährt wenig darüber in der Presse. Kann man aktuell etwas dazu sagen, wo sein Problem liegt und wie der Genesungsstand ist?

Teuber: Also ich muss das mal ganz einfach für den Fan formulieren: Bolly ist ein Rennpferd. Er ist ein Schnellkraftmensch, der ausschließlich von seiner Muskelschnelligkeit lebt, nicht nur von der Kraft, sondern von der Schnelligkeit des Muskels – ein Typ wie Robben. So ein System ist in sich sehr sensibel. Wir wissen von Bolly, dass er solche Probleme auch beim alten Verein hatte. Dann kam er zu uns, fuhr sofort mit ins Trainingslager und trainierte dort direkt mit voller Intensität, um sich zu präsentieren. Die Folge: muskuläre Probleme. Bei zwei Kernspin-Untersuchungen haben wir festgestellt: Er hat einen Muskelfaserriss im Leistenkanal und einen weiteren im Gesäßmuskel. Das ist besonders für einen Schnellkraftathleten nicht gut. Deswegen ist er jetzt in der Reha und wir setzen alles ein, um ihn bald wieder fit zu kriegen.

Direkt-verwandelt.de: Das klingt nach einem Spielertypen, bei dem man vorher schon weiß, dass es ein Risiko ist, ihn zu holen. Wie läuft in so einem Fall dann der Medizin-Check ab? Wieviel Vorinformation hat man bei so einem Spieler?

Teuber: Das ist generell ein großes Problem, bei Bolly besonders. Viele Vorinfos aus Norwegen hatten wir da nicht. Wir können dann hier nur alles durchchecken: Skelettapparat, Muskelapparat, Knochen, Gelenke, dazu das komplette kardiologische Muster mit Blutuntersuchung und Belastungs-EKG. Und das führen wir alles zusammen und bekommen ein Bild vom Spieler. Daraus ergibt sich unser Rat an die sportliche Abteilung.

Direkt-verwandelt.de: Könnte also ein abgebender Verein auch Infos bewusst zurückhalten, um einen Transfer zu ermöglichen?

Teuber: Das ist eine Unterstellung, aber ich kann es manchmal nicht ganz von der Hand weisen. Das hat es durchaus schon gegeben, dass einiges nicht in der Akte steht. Da kann ich den Spieler dann nur fragen: Welche Verletzungen hast du gehabt, welche Operationen? Wie lang bist du wann ausgefallen, wie lange ist das her?

Direkt-verwandelt.de: Aber wenn ein Spieler den Vertrag haben will, könnte er an dieser Stelle natürlich auch Vorerkrankungen bewusst verschweigen.

Teuber: Ja, wir hatten ja so einen Fall. Aber der Name spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

Kernspin1Direkt-verwandelt.de: Und wie ist das dann bei einem Spieler wie Bolly, bei dem man weiß, dass er anfällig ist. Sagt Fortuna da nicht: Macht alle Tests, die es gibt; steckt den auch mal ins Kernspin, wenn es sein muss, um alle Risiken auszuschließen?

Teuber: Zwei Dinge: Erstens wurde es im Fall Bolly in ganz ähnlicher Art und Weise gemacht. Zweitens ist die Kernspintomographie auch kein Allheilmittel. Man schiebt den Sportler nicht da rein und am Ende weiß man Bescheid über alle körperlichen Missstände. Wir überfordern das Kernspin am laufenden Band. Man kann damit nur einzelne Körperteile anschauen und selbst dann erkennt man nicht unbedingt auf Anhieb alles. Muskelverletzungen sieht man beispielsweise viel besser mit dem Ultraschall. Bei Bolly haben wir das untersucht, was notwendig war, um ein vernünftiges medizinisches Ergebnis zu kriegen

Direkt-verwandelt.de: Und dann sagen Sie: Norbert, Wolf, bei Bolly sind dies und jenes die Bedenken und dann entscheiden die beiden, ob sie das Risiko eingehen wollen!?

Teuber: Korrekt. Genau so läuft das. Ich mach ja keine Verträge.

Wir haben noch mehr Fragen, Teuber mit Sicherheit noch viel mehr Antworten, aber wir schalten das Tonbandgerät an dieser Stelle aus, weil wir den Eindruck haben, den Menschen und den Arzt Alois Teuber in diesen Fragen und Antworten zeigen zu können. Es ist klar geworden, dass die Arbeit des Mannschaftsarztes nicht damit getan ist, ab und zu eine Diagnose zu stellen und ein Rezept auszugeben. „Das ist nicht der Ansatz meiner Tätigkeit“, sagt Teuber selbst. Und dann gesteht er noch, er sympathisiere mit Borussia Mönchengladbach – das dürfe man doch wohl sagen. „Aber bei Fortuna fühle ich mich zu Hause“, schiebt er trotzdem noch hinterher.