Pflichtsieg gegen Fürth? Hört endlich mit dem Palaver auf!

Ganz wichtiges Thema heute im Vorbericht für das Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth: die Erwartungshaltung. Nichts ist schlimmer, als den Gegner zu unterschätzen, das haben die Spiele in Offenbach und Augsburg eindrucksvoll bewiesen. Wo zuvor in Presse und Fanforen nur über die Höhe der Siege diskutiert wurde, standen am Ende zwei bittere Pleiten. Nun kommt der Tabellenletzte aus der Metropolregion Nürnberg/Fürth und schon wieder fragt sich halb Düsseldorf nur, wie viele Buden wir diesen Graupen einschenken. Von “Pflichtsieg” ist da zu lesen – “wenn wir die nicht schlagen, wen dann?”.

Mit Verlaub: was für ein ärgerlicher Schwachsinn! Fortuna Düsseldorf ist Aufsteiger in dieser Liga und wenn wir Glück haben, begegnen wir einigen Mannschaften auf Augenhöhe. Noch Ende April 2012 haben wir in Fürth mit viel Glück ein 1:1 ergaunert – wenn die Greuther ihre Chancen genutzt hätten, wären wir da mit einem 0:4 heimgefahren und würden jetzt immer noch gegen den FSV Frankfurt und Ingolstadt kicken. Und jetzt sollen wir gegen diesen Klub plötzlich haushoher Favorit sein? Nichts gegen gesundes Selbstbewusstsein – auch nichts gegen die Düsseldorfer Grundarroganz; aber bleibt doch mal auf dem Teppich, Freunde. “Pflicht” ist in diesem Jahr gar nichts.

fürthvor

Die grausamsten Worte dazu sind im Vorbericht der Westdeutschen Zeitung zu finden, der paradoxerweise auch noch den Titel “Der besondere Geist von Fürth” trägt und dann mit dieser Passage aufwartet:

Feinbier: “Das 2:1 auf Schalke war nur ein kurzes Aufleben, der Relegationsplatz ist kaum mehr erreichbar. Sie stehen zu sehr unter Druck, um noch eine reelle Chancen zu haben. Die Fortuna ist auf bestem Kurs zum Klassenerhalt und ist zu Hause stark genug, um die Niederlage von Freiburg vergessen zu machen.”

Um das mal kurz festzuhalten: Greuther Fürth hat vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und drei auf Augsburg auf Rang 17. “Ist kaum mehr zu erreichen”? Ja spinn ich denn, bei 13 ausstehenden Spielen? Wenn die am Samstag bei uns gewinnen, können die schon wieder ganz dick im Geschäft sein – egal, wie beschissen die in den 21 Spielen zuvor gekickt haben. “Sie stehen zu sehr unter Druck, um noch eine reelle Chance zu haben.” Warum sollte ein Klub unter Druck stehen, für den die Bundesliga ein netter Ausflug ist, finanziell nicht überlebenswichtig? Hoffenheim, die haben Druck. Aber Fürth? Was für eine krude Analyse.

Genau dieses Denken führt Fortuna direkt wieder in den Abgrund. Es muss unsere Stärke bleiben, sich zu vergewissern, wo wir herkommen und wie wir jeden Gegner zu begegnen haben: mit Leidenschaft, mit Einsatz, mit rot-weißem Herz. Und nicht mit Überheblichkeit, Großmannssucht oder feinbierschen Floskeln. Fürth wird ab 15.30 Uhr um sein Überleben kämpfen und wenn wir diese immens wichtigen drei Punkte in Düsseldorf behalten wollen, um einen etwaigen Angriff in der Tabelle von Hoffenheim und Augsburg abzuschwächen, dann helfen uns unsere 12 Punkte Vorsprung auf dem Papier gar nichts. Wir brauchen ganz dringend 35 bis 40 Punkte. Dann können wir anfangen, uns zu bauchpinseln und arrogant durchs Land ziehen.

Nun zum Sportlichen: Bei Fürth fehlt Pekovic aufgrund der fünften Gelben Karte – Fürstner, Schmidtgal und Stieber dürften außerdem krank bzw. verletzt ausfallen. Das sind immerhin vier ganz gute Kicker und mit Fürstner und Pekovic zwei wichtige Doppelsechshälften. Hier könnte Fortuna Kapital schlagen, wenn sie es schaffen, durch das umorganisierte Deckungszentrum der Fürther durch schnelles Umschaltspiel hindurchzustoßen.

Probleme hatte die Fortuna in der Vergangenheit meist mit den flinken Außen der Franken – namentlich insbesondere Sararer und Prib. Prib wird am Samstag vermutlich ins defensive Mittelfeld rücken und als Flankenschläger nur periphär in Aktion treten, der etwas außer Form geratene Sararer allerdings könnte dem noch mehr außer Form geratenen van den Bergh große Probleme bereiten. Van den Bergh tut sich momentan extrem schwer in die defensiven Zweikämpfe zu kommen und verwirrte seine Mitspieler durch sein morbides Stellungsspiel, beispielsweise gegen Herrmann (Gladbach) oder Traoré (Stuttgart). Sararer ist ähnlich schnell und wendig wie die beiden zuvor genannten – hoffen wir, dass er gegen van den Bergh einen miesen oder unsere Nummer 21 einen starken Tag erwischt.

fürthvor2

Damit wären wir auch schon bei der never ending story rund um unsere Außenverteidiger. Nur wenige Bundesligaklubs verfügen über richtig starke Links- und Rechtsverteidiger; nicht umsonst sind dies die mitunter anspruchsvollsten Positionen im modernen Fußball. Schnelligkeit, Ausdauer, defensives und offensives Timing, Zweikampfstärke und präzise Flanken – man sollte qualitativ in all diesen Punkten möglichst weit oben angesiedelt sein, um ein kompletter Flügeldecker zu sein. Von unserer Besetzung kann man das nicht zwingend behaupten; aber wieso sollte es uns mit unserem Etat da besser gehen als deutlich finanzkräftigeren Klubs?

Dabei wird es morgen explizit auf van den Bergh und Balogun ankommen, nicht nur in der Rückwärtsbewegung gegen gut konternde Fürther. Sondern auch im Offensivspiel, um den zu erwartenden Defensivriegel der Grün-Weißen zu knacken. Sollte Norbert Meier wieder auf den Ex-Fürther Dani Schahin im Sturmzentrum setzen, so braucht dieser vor allem gute Anspiele, um seine Goalgetterqualitäten auch auszuspielen. Hier wird es auf das Tempo ankommen, dass Balogun und van den Bergh entwickeln können und hoffentlich endlich mal wieder mit guten Hereingaben krönen. Es wäre vor allen Dingen van den Bergh zu gönnen, dass er in so einem Spiel auch mal wieder Selbstvertrauen für den Saisonendspurt tankt.

Fehlen werden bei Fortuna definitiv Adam Bodzek und Andreas Lambertz, die sich in Freiburg ihre fünfte Verwarnung abholten. Dazu drängt Langeneke wieder in die Startelf und Ken Ilsø hat zuletzt nicht unbedingt die schönsten Bewerbungsunterlagen für weitere Einsätze von Beginn an vorgelegt. Viele Fragezeichen also hinter der Startformation. Wir dröseln auf: Langeneke sollte auf lange Sicht wieder in die erste Elf rücken, allerdings stand das Duo Malezas/Latka in den letzten beiden Spielen sehr ordentlich. Die Abstimmung von Latka und van den Bergh ist noch etwas ausbaufähig, ein Argument, das für Langeneke spricht. Wir glauben jedoch, dass das Argument der temporären Eingespieltheit für Meier schwerer wiegt und Latka am Samstag zu “95olé” mit einem Einlaufkind an der Hand aus den Katakomben kommt.

Davor könnte Meier neben Tesche auf den defensiven, aber spielstarken Paurevic setzen. Die andere Alternative Oliver Fink wäre genauso wie Tesche eher ein offensiverer Sechser, was dann vielleicht doch etwas zu viel des Guten wäre. Außerdem wird Fink auf dem linken Flügel gebraucht (wenn Ilsø rausrotiert und Kruse die 10er-Position einnimmt), da Axel Bellinghausen scheinbar neben seiner Form auch das Vertrauen von Meier aktuell verloren hat. Sollte sich Meier unseren Planspielen anschließen, sähe unsere Aufstellung also so aus:

F95-Für

Machen wir uns doch noch mit Statistiken Mut: Daheim haben wir gegen Fürth noch nie verloren, überhaupt gelang den Kleeblättern bislang nur ein Tor in Düsseldorf. Torfestivals gab es selten (1:0, 0:0, 0:0, 1:0 und 2:1), aber ein dreckiges 1:0 würde uns morgen ja durchaus genügen und würde sich gut einreihen in eine Saison, in der die Fürther unter akuter Torallergie leiden, was durch 13 Treffer in 21 Spielen dokumentiert wird. Mit Reisinger und Schahin haben wir zwei Ex-Fürther in der Offensive am Start, die womöglich heiß drauf sind, ihren Ex-Klub mit schönen Grüßen Richtung Zweite Liga zu schicken. In diesem Sinne: Auf geht’s, Buam!